__Christian Schiester

Steckbrief

Person

Christian Schiester

Man kann kaum glauben, dass Christian Schiester mal ein 100 Kilogramm schwerer Kettenraucher war. Doch es ist wahr! Als er 1989 eine Gesundheitsuntersuchung durchführen lies und derart geschockt von seinem Ergebnis war (Ruhepuls von 93), entschloss er sich für einen Lebenswandel.

Heute ist er 35 Kilogramm leichter und ein Extremsportler und Abenteurer wie es im Buche steht. Mit einem Trainingspensum von bis zu 300 Lauf-Kilometern pro Woche kann er sich bestens auf bevorstehende Wettbewerbe vorbereiten.

Unter seine bisher größten Siege zählt er seine Leistung beim 14. Himalaya-Run im Herbst 2004, wofür er, innerhalb der fünf Tage, nur 14 Stunden und 43 Minuten - neuer Streckenrekord - benötigte.

Mehr über seine Lebensgeschichte finden Sie auf seiner Website www.christian-schiester.com

Medien

Erfolge

  • 2003: 12. Platz beim Marathon des Sables in der Sahara Nordafrikas (insgesamt 677 Teilnehmer)
  • 2004: Erster Platz beim 14. Himalaya-Run im Herbst. Für insgesamt 162 Kilometer benötigte er 14 Stunden und 43 Minuten
  • 2006: Dritter Platz beim Jungle Marathon (202 Kilometer Urwald)
  • 2007: Erster Platz beim Antarktis Ultra Race
  • 2009: Sechster Platz beim Atacama Crossing in Chile (250 Kilometer)
  • 2009: Zweiter Platz beim Sahara Race in Ägypten (250 Kilometer)
  • 2010: Zweiter Platz beim GOBI-MARCH in China (250 Kilometer)

News

31. Januar 2012
8. Tagebucheintrag, 27.01.2012: Im Ziel!

Es ist geschafft! Christian Schiester erreichte nach 225 Kilometern das Ziel der Route of Fire.

Nach sechs schmerzhaften Tagen stürmt der Steirer trotz seiner erlittenen Knieverletzung an der Grenze zu Nicaragua als Achter über die Ziellinie.

Ein langer Leidensweg ist heute zu Ende gegangen! Nach vielen schmerzhaften Tagen bin ich mit einem tauben Gefühl in meinem Knie im Ziel angelangt. Somit habe ich unter das Projekt Route of Fire einen Haken gesetzt, auch wenn der Wettkampf für mich nicht glücklich verlaufen ist. Ein achter Platz ist natürlich nicht das, was ich mir erhofft hatte. Aber wieder einmal hat es sich gezeigt: Bei solchen Rennen geht es nicht nur um die Fitness allein, es kann immer alles passieren.

Trotzdem bin ich stolz die Herausforderung bestanden zu haben. Ich musste eben nicht mehr gegen die Läufer, sondern mit der Strecke und mir selbst kämpfen. Ich muss zugeben, die Zweifel waren so groß wie nie, aber am Ende habe ich die Herausforderung angenommen und meine Schlacht geschlagen. Der Schmerz in meinem Knie wird vergehen, aber der Stolz und der Glaube an mich selbst bleiben.

Genau so wie die – trotz der Gefahren – einmaligen Erinnerungen an dieses, wunderschöne Land: Die flammenden Sonnenuntergänge am einsamen Sandstrand, das glitzernde Morgenlicht zwischen den Palmenblättern, spektakuläre Water-Crossings, unzählige, dicht verwachsene Pflanzenarten im tiefen Grün des Dschungels, die markanten, teils aktiven Vulkane, die endlosen, dicht bewachsenen Hügelketten, riesige Kokospalmen und Kakteen, bunte Pagageien, exotische Leguane und scheue Affen. Sogar den Schlangen konnte ich am Ende etwas abgewinnen, denn sie haben für etwas Ablenkung in den schmerzhaften Stunden gesorgt.

Diese exotische aber auch gefährliche Natur mit Temperaturen von über 40°C hat uns alles abverlangt. Auch wenn viele aufgeben mussten, durften wir für wenige Tage ein Teil von ihr sein. Diese Erinnerungen haben sich für immer in uns allen eingeprägt. Jetzt wird wieder jeder seine Wege gehen, bis in naher Zukunft das nächste Abenteuer ruft. Der Australier Damon Goerke hat verdient gewonnen. In der Atacama hatte ich das bessere Ende auf meiner Seite. Das macht diesen Sport eben aus. Ich freue mich schon auf weitere Duelle mit diesem großartigen Läufer.

Ich werde mich jetzt noch einige Tage an der Schönheit Costa Ricas erfreuen. Danach geht es wieder ab in das winterliche Österreich. Zur Regeneration werde ich dann wieder in die entspannende Welt der Parktherme Bad Radkersburg eintauchen. Im warmen Thermalwasser wird mir die Umgewöhnung an die eisigen Temperaturen sicherlich leichter fallen. :)

RUN ON und Pura Vida aus Costa Rica Christian Schiester


ERGEBNISSE Gesamt Top 10

1. Damon Goerke (AUS) 20:38:02
2. Roiny Villegas (CRC) 21:38:37
3. Chris Barth (CAN) 24:20:30
4. Steve Bremner (USA) 26:09:05
5. Rolando Moreira (CRC) 26:35:19
6. James Breyfogle (USA) 27:40:23
7. Vicente Charpentier (CRC) 27:43:16
8. Christian Schiester (AUT) 28:03:39
9. Fernando Gonzales (CRC) 28:03:53
10. Brent Colwell (USA) 28:09:11

31. Januar 2012
7. Tagebucheintrag, 26.01.2012: Zum Greifen nah

Schon nach der vorletzten Etappe hat Christian Schiester sein großes Ziel erreicht:

Nach 36 Kilometern in tropischer Hitze stürmte der Steirer im vollen Galopp in die Fluten des Pazifiks. Nur noch ein Halbmarathon entlang der Westküste Costa Ricas trennen den Ultraläufer davon, trotz seiner Knieverletzung die Route of Fire zu bewältigen.

Leute, heute war ein guter Tag! Die Schwellung an meinem Knie ist zurückgegangen und ich konnte wieder halbwegs Tempo machen. Im ersten Teil der heutigen Etappe ging es im Zeitintervall je nach Platzierung über eine Sprinteinheit von 11 Kilometern. Rund 20 Athleten starteten vor, bevor dann ich an der Reihe war. Über Stock und Stein entwickelte sich ein richtiges Rennen mit vielen Überholmanövern. Ich konnte bergauf richtig Gas geben und Läufer um Läufer hinter mir lassen. Außer Atem aber glücklich erreichte ich als Erster das Zwischenziel. Zum ersten Mal seit meiner Verletzung verspürte ich wieder Wettkampf-Feeling, ein super Gefühl!

Danach ging es im Massenstart über ruppige Hügeln in Richtung Küste. Ein letztes Mal tauchten wir tief ein in die dichte Wildnis dieses wunderschönen Landes. Die Natur machte es uns noch einmal richtig schwer. Durch brusthohes, dürres Dickicht ging es bergauf und bergab über steile Hügel. Versteckte Fußschlingen und Wurzeln ließen uns mehrmals Male stolpern. Zwei Zentimeter lange Dornen an Ästen und Sträuchen zerkratzen unsere Arme und Beine.

Unzählige rote Ameisen ließen sich bei jeder Berührung von den Pflanzen fallen und verbissen sich sehr aggressiv in unserer Haut. Jeder ist übersäht mit roten Punkten, entzündeten Kratzern und Moskitostichen. Das Thermometer kletterte heute erstmals deutlich über die 40°C-Marke, die Luftfeuchtigkeit und die stehende Hitze im Buschwerk machten allen zu schaffen.

Von einer Sekunde auf die andere öffnete sich dann der Dschungel und ich stürmte hinaus auf riesige Uferbänke. Bis auf wenige Meter reicht der Urwald an die Küste heran und geht unmittelbar in einen gold-braunen Sandstrand über. Ein kühlende Brise und das Glitzern des Meeres hießen mich willkommen und es gab kein Halten mehr. Noch vor der Ziellinie stürmte ich zum ersten Mal in meinem Leben zügellos hinein in den Pazifik, den ich mir in den vielen qualvollen Stunden der letzten Tage zum großen Ziel gesetzt habe. Der restliche Weg entlang des Strandes war ein reiner Genuss. Als Fünfter erreichte ich das Ziel, das eingebettet in der Bucht eines Naturschutzgebietes liegt.

Das Duell um den Sieg ist auch entschieden: Damon Goerke (AUS) und Roiny Villegas (CRC) lagen nach den ersten 200 Kilometern nur sieben Sekunden (!) auseinander. Heute hat sich der Local Hero Villegas um eine Stunde verlaufen und im Ziel bittere Tränen geweint.

Der feuerrote Sonnenuntergang hat am Abend die Palmenhügel, deren Ausläufer Kette um Kette in den Pazifik ragen, in ein flammendes Licht getaucht – ein Bild für Götter! Ich bin froh trotz Verletzung diese Herausforderung gemeistert zu haben. Das ist der Lohn für die Schmerzen der letzten Tage. Die letzten 22 Kilometer entlang der Küste morgen werden mich mit Sicherheit nicht davon abhalten, die Route of Fire erfolgreich zu bewältigen.

RUN ON Christian Schiester

31. Januar 2012
6. Tagebucheintrag, 25.01.2012: Mentale Challenge

Der Weg ist das Ziel! So lautet seit heute die Devise von Christian Schiester.

Da die am Montag erlittene Knieverletzung nicht abklingt, ist der Wettkampf nebensächlich geworden. Für den Steirer gilt es jetzt nur noch die verbleibenden Etappen irgendwie zu überstehen und das Ziel der Coastal Challenge zu erreichen: die Westküste Costa Ricas.

Auch heute war keine Besserung in Sicht. Meine Tage bestehen derzeit nur aus starken Schmerzen und endlosen, qualvollen Kilometern. Ich wage behaupten zu können, dass ich immer ein sehr positiv denkender Mensch bin. Aber mittlerweile fällt es mir wirklich schwer, mich noch irgendwie zu motivieren. Über sechs Stunden lang ist mir heute alle zwei Sekunden lang ein schmerzhafter Stich durch das Knie gefahren, es war kaum auszuhalten.

Um mich irgendwie abzulenken habe ich bei jedem der 46 Kilometer ein Jahr meines Daseins Revue passieren lassen – von der Geburt bis heute. Als ich wieder in der Gegenwart angelangt war, bin ich zum Schluss gekommen, dass ich das Richtige tue. Dass ich in meinem Leben den richtigen Weg eingeschlagen habe und kein Typ bin, der sich unterkriegen lässt. Der Schmerz aufgeben zu müssen ist mindestens genau so groß wie der Schmerz wenn ich weiterlaufe. Koste es was es wolle: Ich mache weiter!

Auf den ersten zehn Kilometern bergauf war ich an den Führenden dran. Doch dann ging es einfach nicht mehr, ich konnte fast nur noch gehen. Läufer um Läufer hat mich überholt, aber ich habe einfach meine Kappe tief ins Gesicht gezogen und versucht nicht darauf zu achten. Gleiches hab ich auch bei den diversen Schlangen getan, die mir immer wieder sprichwörtlich über den Weg gekrochen sind.

Die letzten zwei Kilometer hatten es wirklich in sich: Wir mussten durch einen engen Canyon, immer gegen die starke Strömung eines Flußes. Ich weiß nicht mehr wie oft ich ausgerutscht oder überknöchelt bin. Mehrere Male musste ich schwimmen. Den anderen Athleten ist es nicht besser ergangen, keiner ist ohne Aufschürfungen, Blutergüsse oder Prellungen davongekommen. Überall im Camp sieht man zerkratzte Beine, offen geriebene Füße und dicke Verbände. Die Letzten sind erst nach Sonnenuntergang angekommen, völlig abgekämpft und verängstigt.

Fast eine Stunde waren wir nur auf diesen zwei Kilometern unterwegs. Am Ende habe ich wieder über sechs Stunden für diese Etappe benötigt – unglaublich, aber wie gesagt, der Wettkampf ist gelaufen. Ich werde mich morgen wieder an die Startlinie stellen und wieder meine Schlacht schlagen. Nicht gegen die anderen Läufer, sondern gegen die Natur und mich selbst – zwar sicherlich langsam, aber stehenzubleiben. Irgendwie muss ich es einfach zu dieser verdammten Küste schaffen!

RUN ON Christian Schiester

31. Januar 2012
5. Tagebucheintrag, 24.01.2012: Schmerzhafte Stunden

Christian Schiester mach weiter! Obwohl die Schwellung am Knie über die Nacht nur teilweise abgeklungen ist,

hat der Streiter heute die dritte Etappe der Route of Fire in Angriff genommen. Die stetig steigenden Temperaturen und anhaltende Schmerzen machten die 33 Kilometer aber zu einer Tortour.

Ein Schiester gibt nie freiwillig auf!! Die Nacht war sehr unruhig, die Schmerzen im Knie haben mich mehrmals aufgeweckt. Obwohl ich die Patellasehne so oft wie möglich mit einer Creme und kaltem Wasser gekühlt habe, ist die Schwellung nur leicht zurückgegangen. Ich habe mich trotzdem entschieden es einfach zu versuchen. Um 6 Uhr fiel der Startschuss zur dritten Etappe.

Die ersten Kilometer waren sehr schmerzhaft, bis ich dann doch einen halbwegs erträglichen Schritt finden konnte. Bergauf konnte ich das Tempo im Vergleich zu gestern steigern, nur bergab waren die Schmerzen unverändert. Wir verlassen jetzt langsam den Dschungel und tauchen ein in diese einzigartige Vulkangegend, die der Route of Fire ihren Namen gibt.

Was aussieht wie sanfte, in dichtem grün bewachsene Hügel, sind in Wirklichkeit viele tausend Jahre alte Vulkane. Der fruchtbare Lava-Boden lässt Pflanzen aller Art sprießen. Die Bäume auf den sturmgepeitschten Hochebenen mit Windböhen über 100 km/h wachsen schräg in eine Richtung. Auch die ersten Schlangen haben wir angetroffen, Vorfälle gab es aber noch keine.

Bergauf konnte ich das Tempo der Führenden mitgehen und sogar den Kanadier Chris Barth überholen. Leider ist dieser stechende Schmerz bei der Auffangbewegung bergab noch gleich intensiv wie gestern. Daher musste ich abwärts, wo es eigentlich leichter geht, das Tempo zurücknehmen. So ging das Spiel über viele Kilometer: Bergauf ließ ich die Läufer hinter mir, bergab wurde ich wieder überholt.

Nach 3 Stunden und 47 Minuten, fast 33 Kilometern und 1.100 Höhenmetern habe ich als Sechster das Ziel erreicht. Einerseits bin ich damit zufrieden, weil ich weitergekämpft habe und meine körperliche Verfassung gut ist. Andererseits ist es natürlich sehr bitter, wenn man bergauf um jede Minute fightet und bergab seine Leistung nicht abrufen kann. So habe ich wieder viel Zeit verloren...

Morgen warten über 46 Kilometer mit großen Höhendifferenzen auf uns. Je näher wir der Küste kommen, desto mehr steigen Hitze und Luftfeuchtigkeit. Sollte sich die Entzündung im Knie verschlimmern, wird es wirklich gefährlich für meine Gesundheit. Deshalb werde ich mich heute so früh wie möglich zur Regeneration in mein Zelt zurückziehen, das mir bei der Dämmerung auch Schutz vor meinen guten alten Freunden gibt: den Moskitos.

Sportliche Grüße aus einem 20-Seelen-Ort namens Cuipilapa. RUN ON Christian Schiester

31. Januar 2012
4. Tagebucheintrag, 23.01.2012: Der Dschungel schlägt zurück

Kein Glück für Christian Schiester in Costa Rica:

Schon kurz nach dem Start zur zweiten Etappe stürzte er und verletzte sich am Knie. Auch wenn sich der Steirer mit großen Schmerzen auf diesem langen Streckenabschnitt ins Ziel schleppen konnte, musste er doch einen enormen Zeitverlust in Kauf nehmen. Ob der Österreicher bei der dritten Etappe überhaupt antreten kann, ist derzeit fraglich.

 

Es fällt mir sehr schwer heute überhaupt die richtigen Worte zu finden. Es ist ein emotional enorm schwieriger Moment für mich, dieser Tag war eine sehr harte Lektion.

 

Bereits in den frühen Morgenstunden fiel der Startschuss zur zweiten Etappe – mit rund 60 Kilometern und weit über 3.000 Höhenmetern zumindest den Zahlen nach die härteste Prüfung in diesem Rennen. Da mir lange und steile Anstiege gut liegen, bin ich trotz der bevorstehenden Strapazen zuversichtlich losgelaufen. Sofort sind wir von unserem Lager auf einer Lichtung wieder in den Dschungel eingetaucht und ich habe mit den Top-Läufern die Führungsarbeit übernommen. Im Zick-Zack ging es durch das Dickicht und im diffusen Licht der Morgendämmerung immer wieder durch Flüße. Nach etwa drei Kilometern bin ich bei einer dieser Flußquerungen auf einem glitschigen Stein ausgerutscht und mit dem Knie auf einem weiteren Stein aufgeschlagen.

 

Sofort hat mich ein stechender Schmerz in der Patellasehne auf den Ernst der Lage „hingewiesen“. Binnen Minuten war unter dem linken Knie ein großer Bluterguss zu erkennen. Die weitere Strecke quer über die grün bewachsene Hügellandschaft Costa Ricas war kaum zu bewältigen. Mit starken Schmerzen speziell in den Bergabpassagen konnte ich selten länger als ein paar Minuten laufen.

 

Fast 60 Kilometer lang habe ich mich durch dieses fremde Land gequält, immer in Gedanken an meine Gesundheit. Bei dieser tropischen Hitze gab es keine Möglichkeiten, um die starke Schwellung zu kühlen. Der Veranstalter hat uns dringend davon abgeraten den Wassertümpeln zu nahe zu kommen, da sich dort gerne Krokodile und Schlangen aufhalten. Auch auf den sturmgepeitschten Hochebenen im zweiten Abschnitt fand ich kaum Abkühlung. Erst der kalte Schlamm eines kleinen Baches – Schlangen hin oder her – hat kurzfristig die Schmerzen gelindert.

 

Am Ende habe ich es irgendwie ins Ziel geschafft. Doch der Zeitverlust ist enorm, die Führungsläufer sind viele Stunden vor mir im Camp angekommen. Insgesamt war ich 9 Stunden und 35 Minuten am Weg, eine Topplatzierung ist somit nicht mehr zu erreichen. Ich habe mich monatelang auf dieses Rennen vorbereit und mit nur einer unkonzentrierten Sekunde alles auf’s Spiel gesetzt. Sehr bitter!!!

 

In erster Linie geht es jetzt aber um meine Gesundheit. Ich habe versucht die Schwellung mit einer Salbe und kaltem Wasser aus dieser kleinen Ortschaft namens Terra Morenas zu bekämpfen. Derzeit sieht es allerdings nicht gut aus. Ich kann kaum gehen, das Weitermachen steht daher in Frage. Viele Teilnehmer mussten heute schon vor dem Dschungel kapitulieren. Trotz der schlechten Vorzeichen hoffe ich, dass mich morgen nicht das gleiche Schicksal ereilt.

 

RUN ON Christian Schiester

31. Januar 2012
3. Tagebucheintrag, 22.01.2012: Route of Fire

Am Sonntag fiel der Startschuss zur Route of Fire - 220 Kilometerin sechs Tagen durch den Dschungel Costa Ricas.

Schon bei der ersten Etappe wurde klar, dass dieser Ultramarathon eine brandheiße Angelegenheit ist und seinen Namen absolut verdient hat.

Nach einer dreistündigen Busfahrt ging es heute endlich los. In einem kleinen Ort namens „La Fortuna“ – hoffentlich ein gutes Omen für mein Glück – bin ich mit rund 50 anderen Athleten in dieses große Abenteuer gestartet. Je näher wir der Westküste kommen, desto heißer und feuchter wird das Wetter. Die Temperaturen betragen hier über 30°C, bereits nach wenigen Kilometern war mein Shirt durchnässt.

Gleich zu Beginn ging es steil nach oben auf den Cerro Chato – einem sehr alten Vulkan mit einem türkisgrünen See in seinem Krater –, über riesige Wurzeln hinein in den dichten Urwald. Die Nässe macht den Untergrund sehr rutschig, so musste ich teilweise auf allen Vieren meinen Weg durch den Dschungel in Angriff nehmen. Das alles immer im Angesicht des mächtig über uns thronenden „Arenal“, einer der aktivsten Vulkane in diesem Teil der Welt.

Einige Athleten sind gleich richtig losgestürmt, mussten aber dem hohen Tempo Tribut zollen. Ich selbst hatte auch Probleme mit der Hitze. Hoher Puls und pochende Kopfschmerzen haben mich gezwungen mein Tempo zu reduzieren. Anstatt des Stirnbandes werde ich ab sofort mit der Kappe laufen – ein Fehler der mir nicht mehr passieren wird. So bin ich besser gegen diese intensive Sonneneinstrahlung geschützt, die bereits nach kurzer Zeit zu einem Sonnenbrand führt.

Nach knapp drei Stunden, knapp 23 Kilometer und über 1.300 Höhenmeter habe ich als Fünfter das Ziel erreicht. Mal sehen ob die Führenden morgen ihr Tempo halten können.

Mit gefährlichen Tieren habe ich bisher keine Bekanntschaft gemacht. Wohl auch deshalb, weil ich mich voll auf die rutschigen Bergauf- und Bergabpassagen konzentrieren musste. Jeder Schritt kann das Aus bedeuten, ein zu hohes Tempo die Konzentration beeinträchtigen. Vor uns liegen jetzt noch 200 Kilometer, da heißt es fokussiert und schlau unterwegs zu sein. Morgen warten auf uns fast 63 Kilometer und unglaubliche 4.200 Höhenmeter. Eine sehr anspruchsvolle Herausforderung in dieser Hitze und dem schwierigen Terrain. Deshalb werden auch schon die ersten Ausfälle erwartet.

RUN ON Christian Schiester

Ranking nach Etappe 1
1. Chris Barth (CAN) 2:26:07
2. Damon Goerke (AUS) 2:27:15
3. Roiny Villegas (CRC) 2:30:39
4. Keri Nelson (USA) 2:51:47
5. Christian Schiester (AUT) 2:54:15
6. Steve Bremner (USA) 2:58:43

27. Januar 2012
2. Tagebucheintrag, 21.01.2012: Aus dem Dschungel in den Dschungel

Die Zeit der Akklimatisierung ist vorbei, für Christian Schiester wird es in Kürze ernst.

Am frühen Sonntagmorgen startet die Reise von der Großstadtwildnis in die "grüne Hölle" Costa Ricas - eine Tatsache, die den Steirer trotz diverser Gefahren und bevorstehender Strapazen nicht unbedingt traurig macht.

Vier Tage bin ich jetzt schon in Costa Rica. Abgesehen von einigen Kurztrips in die Hauptstadt und dem Besuch im Nationalpark habe ich die meiste Zeit im Hotel verbracht. Ich habe die Tage genutzt um mich an die Temperaturen zu gewöhnen und vor dieser gewaltigen Herausforderung Kräfte zu sammeln. Einige kurze Laufeinheiten zur Auflockerung waren auch dabei.

Auch wenn ich in San José einige interessante Eindrücke sammeln konnte, bin ich jetzt froh den Großstadtdschungel gegen den wirklichen Urwald eintauschen zu können. Ein Blick in das Route Book heute hat gezeigt, dass wir in ganz einzigartige Plätze eintauchen werden: eine dicht verwachsene Wildnis mit Vulkanen, Wasserfällen und Geysiren. Auf uns alle wartet ein großes Abenteuer mit vielen Gefahren und Herausforderungen. Aber das ist mir viel lieber als das Chaos und der Lärm einer Großstadt.

Das heutige Briefing hat wohl bei vielen schon vor dem Start für einen hohen Puls gesorgt. Wir werden auf unserer Route speziell in den ersten Tagen durch den Lebensraum von Krokodilen, Schlangen und Raubtieren kommen. Der Veranstalter hat uns dringend dazu aufgerufen auf jede Bewegung zu achten, auch wenn diese Tiere normalerweise schon lange flüchten, bevor wir sie überhaupt sehen können. Notfalls haben sie für Schlangenbisse ein Antiserum dabei. Sehr beruhigend...

Einen alten Bekannten habe ich auf getroffen: Der Australier Damon Goerke ist 2009 in Chile in Führung liegend kurz vor dem Ziel eingebrochen und am Ende Vierter geworden. Es sind wieder einige Top-Läufer am Start. Wie gesagt, es wird spannend! :) Ich werde natürlich umsichtig und konzentriert in dieses Rennen gehen. Allerdings ist wohl auch eine Portion Glück nötig, um Verletzungen und unliebsame Begegnungen in diesem umwegsamen Gelände zu vermeiden.

Mein Ausrüstung ist gepackt, ich fühle mich bereit und freue mich schon bald in dieses große Abenteuer starten zu können! Ich habe die Startnummer 21, es kann los gehen!

Drückt mir bitte die Daumen. Pura vida und RUN ON Christian Schiester